Mitglieder im Gespräch

Drei Fragen an Ecorobotix, Elektro-Material und JURA Materials

Ecorobotix

Dominique Mégret, CEO

Ihr revolutioniert mit KI die Landwirtschaft und reduziert so den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um bis zu 95%. Wie hängt das mit dem Klimaschutz zusammen?

Die überwiegende Mehrheit der Pestizide stammt aus der petrochemischen Industrie. Dank der Präzision der in unseren ARA-Maschinen integrierten KI kann der Sprühaufwand um bis zu 95 % reduziert werden. Unsere Mission beschränkt sich nicht nur auf die Reduzierung der Mengen, sondern umfasst auch den schrittweisen Ersatz chemischer Produkte durch solche organischen Ursprungs und schliesslich die Regeneration der Biodiversität (die «3 R»). Kurz gesagt: mit weniger mehr produzieren.

Welche Schritte sind notwendig, damit eure Innovation in der Landwirtschaft Fuss fassen kann?

Die grösste Herausforderung für die Demokratisierung unserer Lösung ist ihre Finanzierung. Durch die Senkung der Inputkosten und die Verbesserung der Erträge lässt sich die Maschine rentabel einsetzen. Aber eine gezielte Unterstützung durch den Staat (für eine Behandlung «Pflanze für Pflanze») und der Lebensmittelkette (Kauf von Kohlenstoff-/Biodiversitätszertifikaten, «Zero Residue Food»-Sektor) sind entscheidend, um die Einführung zu beschleunigen.

Du bist in unserem CEO4Climate-Netzwerk aktiv, welchen persönlichen Nutzen ziehst du aus dieser Plattform?

Als Mitglied des CEO4Climate-Netzwerks können wir uns mit zahlreichen Führungskräften von Unternehmen mit Sitz in der Schweiz austauschen und insbesondere unsere Erfahrungen mit Umweltproblemen und den damit verbundenen Geschäftsmöglichkeiten teilen.

Elektro-Material

Cosima Giannachi, Nachhaltigkeitsverantwortliche

Als Händler habt ihr keine eigene Produktion. Welches sind eure zentralen Hebel zur Dekarbonisierung?

Als Elektro-Grosshändler sehen wir unsere wichtigsten Hebel in der engen Zusammenarbeit mit Partnern, Lieferanten und Kunden. Unser Ziel ist es, für jedes Bedürfnis eine umweltschonendere Lösung anzubieten und diese Schritt für Schritt zur bevorzugten Wahl zu machen. Dekarbonisierung gelingt nur, wenn wir Produkte mit klar verbesserter Umweltbilanz fördern und die Nachfrage danach stärken. Nachhaltige Transformation entsteht erst, wenn solche Lösungen in unserem Portfolio überwiegen oder bewusst nachgefragt und in Projekten systematisch priorisiert werden.

Mit eurem Carbon Tracker unterstützt ihr den Weg hin zur CO2-Transparenz von Produkten. Was hast du aus diesem Projekt gelernt?

Der Carbon Tracker hat gezeigt: CO2-Transparenz wirkt nur, wenn sie konkret nutzbar ist. Unsere Kund:innen benötigen je nach Bedarf unterschiedliche Informationen von den gesamten CO2-Emissionen pro Jahr aller gekauften Produkte bis hin zum direkten Vergleich einzelner Produkte. Entscheidend ist, dass die Daten verständlich, relevant und im Alltag einfach anwendbar sind.

Du bist aktiv in unserem Nachhaltigkeitszirkel, welchen persönlichen Nutzen ziehst du aus diesem Format?

Der Nachhaltigkeitszirkel ermöglicht mir einen sehr wertvollen, strukturierten Austausch über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Er hilft mir dabei, komplexe Nachhaltigkeitsthemen einzuordnen, voneinander zu lernen und gemeinsam praxisnahe, skalierbare Lösungen für unseren Transformationspfad in Richtung Netto-Null zu entwickeln.

JURA Materials

Joel Zürcher, Head of Sustainability

Die Emissionsreduktion in der Zementherstellung ist ein zentraler Hebel für die Dekarbonisierung der Bauwirtschaft. Wie stellt sich JURA Materials dieser Herausforderung?

Wir investieren in innovative Technologien wie kalzinierten Ton, optimieren Prozesse und steigern den Einsatz von alternativen Rohmaterialien und alternativen Brennstoffen. Unser Ziel: CO2-Reduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zur Anwendung im Bau. Mit unserer neuen Marke Calterra® bringen wir CO2-reduzierte Zemente mit kalziniertem Ton auf den Markt und treiben so die Transformation der Bauwirtschaft aktiv voran.

Wie könnt ihr auch andere Firmen mit auf den Weg zum Netto-Null-Ziel nehmen?

Die Jura Materials ist sehr kundenorientiert und bietet schon heute Lösungen im Bereich tiefere CO2-Zemente und -Betone. Wir sehen, dass sich die Nachfrage nach CO2-freiem Beton und Zement rasant entwickelt. Hier möchten wir in Zukunft mit einer eigenen CO2-Abscheidungsanlage am Standort Wildegg eine Alternative, zum Emissionsausgleich durch Carbon Dioxide Removals (CDR) anbieten. Solch eine Anlage reduziert nicht nur die Emissionen beim Bau, sondern reduziert die Emissionen unserer Kunden, deren Reststoffe wir thermisch verwerten.

Weshalb seid ihr swisscleantech-Mitglied?

Die Mitgliedschaft stärkt unseren Austausch zu Klimastrategien und rechtlichen Rahmenbedingungen. Wir schätzen das Netzwerk, um Partnerschaften zu knüpfen und selbst Impulse für die Zielerreichung zu geben – ganz im Sinne der Roadmap Netto-Null 2050.