Auf dem Weg zum CO2-neutralen Zement


Die Bauwirtschaft hat ein enormes Potenzial, um die globalen Emissionen zu reduzieren – der Zement ist dabei der grösste Hebel. Doch obwohl CO2-freie Produktion technisch möglich und volkswirtschaftlich tragbar wäre, scheitert der Wandel bislang am Markt. Ein wirksamer CO2-Preis und ein fairer Grenzausgleich könnten das ändern.

Artikel
von Chris Zeyer für die Schweizerische Technische Zeitschrift von Swiss Engineering
19.02.2026

Die gesamte Bauwirtschaft ist für rund 38 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. Die Dekarbonisierung der Bauwirtschaft ist daher ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Netto-Null. Innerhalb der Bauwirtschaft spielt die Herstellung von Zement mit acht Prozent der weltweiten Emissionen eine entscheidende Rolle. Zement ist als Bindemittel im Beton insbesondere im Tiefbau unersetzlich. Man kann die Rezepturen anpassen und so den Ausstoss reduzieren, es wird jedoch immer aus Kalkstein (CaCO3) hergestellter Branntkalk verwendet. In diesem Prozess – der Kalzinierung – entsteht CaO unter Freisetzung von geogenem CO2.

CO2-freier Zement kann nur hergestellt werden, wenn das CO2 aus dem Abgasstrom entfernt und dauerhaft in geologischen Schichten gelagert wird. Dies würde die Kosten des Zements nahezu verdoppeln. Allerdings stiegen die Kosten eines Bauwerks dabei nur um rund ein Prozent. Volkswirtschaftlich ist die Dekarbonisierung des Zements also möglich und bezahlbar. Dass die Dekarbonisierung stockt, ist ein Marktversagen. Ein CO2-Preis von 300 CHF/t würde den Prozess wirtschaftlich machen. Deshalb soll der CO2-Preis im Rahmen eines EHS schrittweise erhöht werden.

Da es keinen internationalen CO2-Preis gibt, wäre ein Schweizer Zementwerk mit einem lokalen CO2-Preis gegenüber importiertem Zement, beispielsweise aus der Türkei, nicht konkurrenzfähig. Deshalb ist ein Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) notwendig. Importe in die Schweiz könnten so fair verteuert werden. Ein Gesetz dazu ist aktuell in der Vernehmlassung. Dieser Gesetzgebungsprozess wurde durch eine parlamentarische Initiative von NR Franziska Ryser angestossen. Swisscleantech hat diese Stossrichtung von Anfang an unterstützend begleitet und war im politischen Dialog aktiv engagiert. Bei allen komplexen Umsetzungsfragen, die ein CBAM aufwirft: Es schafft die faire Basis, damit die Bauwirtschaft ihre Dekarbonisierungsziele erreichen kann.