Der Beitrag von Photovoltaik zur Winterstromversorgung wird unterschätzt


Medien und verschiedene Organisationen berichteten in den letzten Tagen, dass die Winterstromproduktion in der Schweiz kaum zugenommen hätte, trotz eines starken Ausbaus der Photovoltaik. Wenn man genau hinschaut, zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die Solarstromproduktion im Winter hat sich jedoch in den letzten zehn Jahren verfünffacht, Tendenz weiter steigend. Bis 2035 soll im Winter ein Viertel des Stroms aus PV-Anlagen stammen. Es ist deshalb entscheidend, dass deren Ausbau weiter vorangetrieben wird. Gleichzeitig braucht es zur Stärkung der Winterstromversorgung weitere Massnahmen, die von Windkraft über schlanke Bewilligungsprozesse bis hin zum EU-Stromabkommen reichen.

Fotografie: CK Foto

Die Photovoltaik (PV) in der Schweiz ist eine Erfolgsgeschichte: Während ihr Anteil an der Stromversorgung in der Schweiz 2016 noch bei 2% lag, liegt der Anteil 2026 bereits bei rund 17%, Tendenz weiter steigend.

Die Solarstromproduktion im Winter hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht

Zwar fällt ein erheblicher Teil der Stromproduktion aus PV-Anlagen im Sommer an, dennoch wird auch im Winter massiv mehr Strom produziert: Die PV-Stromproduktion während der Wintermonate (Oktober bis März) hat sich in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht auf fast 2.2 TWh im Winter 2025/26. In derselben Zeit hat sich die Winterproduktion aus Wasser-, Kern- und Windkraft kaum verändert. Die Aussage, PV bringen keinen Mehrwert im Winter ist falsch – sie ist sogar die einzige Produktionsart, die in den letzten Jahren konstant mehr Strom im Winter produziert hat.

Prozentuale Veränderung der Stromproduktion während der Wintermonate (Oktober-März) im Vergleich zu 2016/17 aus Wasser-, Kern- und Windkraft sowie aus Photovoltaikanlagen. Quelle: Swiss Energy Charts, eigene Darstellung

Die Stromproduktion aus Wasser- und Kernkraft schwankt stark

Trotz des starken Anstiegs der PV-Produktion bewegt sich die Winterstromproduktion insgesamt seit 2016/17 ohne klaren Trend zwischen 25 und 34 TWh pro Jahr. Hierfür gibt es zwei Gründe:

  1. Im Verhältnis zur gesamten Winterstromproduktion ist der Beitrag der PV-Produktion weiterhin eher gering. Mit Wasser- und Kernkraft wird heute deutlich mehr Strom produziert, was sich aber langfristig ändern wird.
  2. Die Stromproduktion aus Wasser- und Kernkraft schwankt von Jahr zu Jahr stark: Abhängig von den Niederschlägen, Speicherfüllständen sowie der Markt- und Versorgungssituation gibt es grosse Schwankungen in der Stromproduktion aus Speicher- und Laufwasserkraftwerken. Bei den Kernkraftwerken führen Wartungen und ungeplante Ausfälle ebenfalls zu grossen Unterschieden in der jährlichen Winterstromproduktion. So war beispielsweise das Kernkraftwerk Gösgen im Winter 2025/26 nicht in Betrieb, wodurch sich die Produktion deutlich verringert hat.
Stromproduktion während der Wintermonate (Oktober-März) nach Technologie. Quelle: Swiss Energy Charts, eigene Darstellung

Ein Viertel der Winterstromproduktion aus PV-Anlagen bis 2035

 Das Bild der Winterstromproduktion wird sich in den kommenden Jahren deutlich ändern, wenn sich Ausbau von PV-Anlagen fortsetzt. Gemäss Ausbauzielen des neuen Stromgesetzes wird bis 2035 fast ein Viertel der gesamten Stromproduktion im Winter aus PV-Anlagen stammen. Es ist deshalb entscheidend, dass der Ausbau weiter vorangetrieben wird.

Zukünftige Stromproduktion während der Wintermonate (Oktober-März) gemäss Ausbauzielen des Stromgesetzes. Quelle: Axpo Power Switcher, eigene Darstellung

Mit Energieeffizienz, Windkraft und EU-Stromabkommen die Energiewende weiter beschleunigen

Trotz diesem positiven Ausblick ist klar, dass weitere Massnahmen zur Stärkung der Winterstromversorgung notwendig sind: Neben Investitionen in mehr Energieeffizienz und dem Erhalt der Wasserkraftkapazitäten benötigt es insbesondere neue Windkraftwerke, da deren Stromproduktion zu rund 60% im Winter anfällt und sie die PV-Anlagen dadurch ideal ergänzen. Damit deren Ausbau und allgemein der erneuerbaren Energien rascher vorankommen, ist eine Beschleunigung der Bewilligungsprozesse unerlässlich.

Das gilt auch für die Stromnetze, die ebenfalls deutlich schneller erneuert und ausgebaut werden müssen. Auch dafür hat sich swisscleantech im Parlament eingesetzt. Mindestens ebenso wichtig wie die Produktionskapazitäten im Inland ist der Abschluss des Stromabkommens mit der EU. Damit stellen wir sicher, dass auch in Zukunft ein reger Stromhandel mit der EU möglich ist, was der Schweiz über die kritischen Wintermonate hinaus einen grossen Mehrwert bietet.