Freie Fahrt für den Netz-Express


Das Parlament hat in der Herbstsession den «Netz-Express» final beraten. Damit ist der Weg frei für schnellere Bewilligungsverfahren beim Aus- und Umbau der Stromnetze. swisscleantech begrüsst die zügige Beratung zugunsten einer mehrheitsfähigen Vorlage. Mit dem Wandel des Energiesystems und dem rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien werden Investitionen in die Stromnetze noch wichtiger. Sie müssen rasch erfolgen, damit die Netze nicht zum Bremsklotz der Energiewende werden.

Mit der Vorlage zur «Beschleunigung des Aus- und Umbaus der Stromnetze» hat das Parlament in kurzer Zeit bereits die zweite Beschleunigungs-Vorlage verabschiedet – nachdem im April 2026 der Beschleunigungserlass für erneuerbare Energien in Kraft trat. Ursprünglich hatte der Bundesrat beim «Netz-Express» vor allem das Übertragungsnetz im Fokus. Im parlamentarischen Prozess kamen verschiedene Erleichterungen für das Verteilnetz hinzu. So wird neben dem Übertragungsnetz auch grösseren Anlagen des Verteilnetzes ein nationales Interesse zugesprochen. Dies gibt ihnen bei der Interessenabwägung zusätzliches Gewicht.

Erleichtert wird zudem der Bau von Transformatorenstationen und Speichern ausserhalb der Bauzonen. Diese Anpassungen sind sinnvoll, weil der Ausbau von Photovoltaik sowie die Elektrifizierung von Wärme und Verkehr vor allem die unteren Netzebenen betreffen.

Freileitungen als Grundsatz

Ein besonders heisses Eisen war der «Freileitungsgrundsatz», der vorsieht, neue Leitungen grundsätzlich als Freileitungen zu realisieren. Erdkabel sollen nur in begründeten Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Dafür sprechen insbesondere technische und wirtschaftliche Überlegungen. Gleichzeitig bleibt die Interessenabwägung mit anderen Anliegen bestehen.

Erleichtert wird zudem der Ersatz bestehender Höchst- und Hochspannungsleitungen. Sie können auf ihrem bisherigen Trassee einfacher erneuert oder saniert werden. Das ist relevant, da ein grosser Teil der heutigen Höchstspannungsleitungen zwischen 50 und 80 Jahre alt ist.

Keine Aufweichung des Moorschutzes

Dass diese Vorlage vergleichsweise schnell beraten werden konnte, hat auch damit zu tun, dass das Parlament – anders als beim Beschleunigungserlass für die erneuerbaren Energien – auf einen grundlegenden Machtkampf zur Einschränkung des Umweltrechtes verzichtete. Neben gewissen Einschränkungen des Verbandsbeschwerderechtes hatte der Ständerat im Verlauf der Debatte zusätzlich eine Aufweichung des Moorschutzes vorgeschlagen, um erleichtert Stromnetze zu erneuern oder neu zu bauen. Dieser Vorschlag hatte in der weiteren Beratung aber keine Chance, weil der Mehrwert dieses Eingriffs für die Beschleunigung im Vergleich zum möglichen Schaden unverhältnismässig klein gewesen wäre. swisscleantech hatte sich – auch mit Blick auf die politische Mehrheitsfähigkeit der Vorlage – klar dagegen positioniert.

Gezielter und rascher Ausbau (intelligenter) Netze

Ein gezielter und vor allem rascherer Ausbau der Netze ist notwendig. Doch der Bau jeglicher neuen Infrastruktur in der Schweiz ist teuer und braucht auch bei vereinfachten Bewilligungsverfahren Zeit. Deshalb gilt es gleichzeitig, die bestehenden Netze effizienter zu nutzen. Insbesondere dezentrale Flexibilitäten wie Batteriespeicher, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge können dazu beitragen, Netzausbauten zu verhindern, oder zu verzögern. Auch bei der Digitalisierung der Verteilnetze besteht in der Schweiz weiterhin viel Luft nach oben.

Der Netzausbau bleibt ein wichtiger Teil der Energiewende – gleichzeitig sollten Möglichkeiten zur besseren Nutzung der bestehenden Infrastruktur konsequent ausgeschöpft werden.