Klimataugliche Antworten auf eine neue Machtpolitik – das lieferte der swisscleantech Jahresanlass


Mit 550 Teilnehmer*innen brachte der swisscleantech Dialog 2026 erneut die zentralen Akteur*innen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammen. Unter dem Titel «Klimataugliche Antworten auf eine neue Machtpolitik» stand der swisscleantech Dialog 2026 dieses Jahr ganz im Zeichen eines sich verändernden geopolitischen Umfelds – und zeigte auf, wie die Umsetzung der Klimaziele die Resilienz der Schweizer Wirtschaft stärkt. swisscleantech setzt sich darum für bessere Rahmenbedingungen ein – beispielsweise über das neue CO2-Gesetz – und unterstützt seine Mitglieder noch umfassender in der Erreichung unternehmerischer Netto-Null-Ziele.

Fotografie: Maurice Haas

Die Ausgangslage für die klimataugliche Wirtschaft bleibt anspruchsvoll: Der Krieg im Iran zeigt einmal mehr, welche Risiken die nach wie vor hohe Abhängigkeit von fossilen Energien für die Schweiz mit sich bringt. Ganz im Sinne von Winston Churchills «never waste a good crisis» zeigen die rasant steigenden Verkäufe von erneuerbaren Energien, Speichern oder von E-Fahrzeugen in der ganzen Welt, wie die Dekarbonisierung strategische Wachstumschancen bietet. Die Schweizer Wirtschaft muss deshalb ihre Positionierung als Vorreiterin von klimatauglichen Technologien schärfen und die Dekarbonisierung konsequent voranzutreiben.
 

Klimataugliche Geschäftsmodelle stärken die Resilienz

Die Diskussion mit André Bardow, Professor für Energie- und Prozesssystemtechnik der ETH Zürich, Pouyan Dardashti, CEO Thommen Group und Vorstand swisscleantech sowie Markus Herrmann, Managing Director China Macro Group zeigte auf, dass gerade in diesem macht- und geopolitisch herausforderndem Umfeld klimataugliche Geschäftsmodelle an Bedeutung gewinnen. Investitionen in erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und innovative Technologien leisten nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern stärken auch die Resilienz gegenüber globalen Risiken und Abhängigkeiten. Damit wird Klimaschutz zunehmend zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen.

Fabian Etter, Co-Präsident von swisscleantech: «Der swisscleantech Dialog 2026 brachte mehr Teilnehmende denn je zusammen. Der Bedarf an Orientierung ist gross. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass unsere Mitglieder an ihren Klimazielen festhalten und kreislauffähige Geschäftsmodelle vorantreiben. Das aktuelle geopolitische Umfeld bestärkt sie darin, ihre Abhängigkeit von fossilen Energien und Rohstoffen weiter zu reduzieren.»

Um diese Transition noch gezielter zu unterstützen, lanciert swisscleantech laufend neue Services für ihre Mitglieder. Das «Circular Innovation Lab» unterstützt Unternehmen mit einem praxisorientierten Coaching in der Entwicklung kreislauffähiger Geschäftsmodelle. Mit dem neuen «It’s now for nature» Accelerator-Programm in Zusammenarbeit mit Innovate for Nature haben swisscleantech Mitglieder die Möglichkeit, Natur- und Biodiversitätsstrategien auszuarbeiten.

Politische Rahmenbedingungen zentral für rasche Dekarbonisierung

Der Anlass zeigte einmal mehr auch die Bedeutung der politischen Rahmenbedingungen auf. Michael Mandl betonte dabei die hohe Relevanz der anstehenden Totalrevision des CO2-Gesetzes für die Zeit nach 2030. Er zeigte auf, welche Forderungen swisscleantech an die anstehende CO2-Gesetzrevision stellt: «Die vom Bundesrat angekündigte Einführung eines neuen Emissionshandelssystems für Brenn- und Treibstoffe als strategische Grundsatzentscheidung zugunsten von marktwirtschaftlichen Instrumenten ist begrüssenswert. Die Wirkung eines solchen anspruchsvollen Systemwechsels hängt aber stark von der konkreten Ausgestaltung ab. Zentral ist dabei, dass die CO2-Preise marktbasiert festgelegt werden, um die richtigen Signale an die Unternehmen zu senden. Darum sieht swisscleantech auch den angekündigten Preisdeckel kritisch.»

Zentrale Hebel für eine sichere Stromversorgung

Chris Zeyer, Co-Geschäftsführer von swisscleantech, zeigte in seinem Referat zur Stromversorgungssicherheit die zentralen Hebel und Forderungen von swisscleantech auf: Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Stromabkommen mit der EU, welches die entscheidende Einbindung der Schweiz in den europäischen Strommarkt langfristig absichert. Die Energiewende wird aber nur gelingen, wenn wir den Ausbau von allen erneuerbaren Energien beschleunigen sowie deutlich mehr in die Energieeffizienz investieren. Für die richtige Einbindung der erneuerbaren Energien sind neben dem Stromabkommen genauso der Ausbau von Speichern, mehr Digitalisierung und die stärkere Nutzung von Flexibilität – unter anderem über dynamischere Strompreise – entscheidend.

Antje Kanngiesser, CEO Alpiq und Vorstand swisscleantech, Simon Michel, CEO Ypsomed und Nationalrat FDP sowie Benoît Revaz, Direktor Bundesamt für Energie (BFE) diskutierten kontrovers darüber, ob die Schweiz mit genügender Konsequenz am Ausbau der dezentralen und erneuerbaren Energien arbeitet oder ob es letztlich nicht doch zu einem Revival der Grosskraftwerke kommt.
 

Netto-Null als Business-Treiber

Wie ambitionierte Klimaziele von Unternehmen und politische Rahmenbedingungen zusammenspielen, zeigte sich auch im Gespräch mit Helmut Ruhl, CEO von AMAG. Er erläuterte, dass die AMAG bei der Umsetzung des Netto-Null-Ziels 2040 auf Kurs sei und sich in einer umfassenden Businesstransformation befinde. Eine klare Führung, aber auch verlässliche Rahmenbedingungen und Anreize seien dafür erfolgsentscheidend.
 

Orientierung, Inspiration und Vernetzung für die klimataugliche Wirtschaft

Der swisscleantech Dialog wurde seiner Rolle als zentrale Plattform der klimatauglichen Wirtschaft in der Schweiz auch dieses Jahr gerecht. Der Anlass bietet Orientierung zu den wichtigsten Entwicklungen in der Energie- und Klimapolitik, bietet Inspiration durch konkrete Lösungsansätze und schafft Raum für Austausch und neue Kooperationen.

Damit leistet der Dialog einen wichtigen Beitrag, um die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungsketten zu stärken und die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft weiter zu beschleunigen.