Hält die Schweizer Wirtschaft an ihren Netto-Null-Zielen fest? Eine Umfrage unter Mitgliedern

Die Umsetzung von unternehmerischen Klimazielen ist anspruchsvoller geworden

Rund 52% der befragten Unternehmen gaben an, dass die Umsetzung ihrer Klimaziele anspruchsvoller oder deutlich anspruchsvoller geworden ist. Gründe dafür sind mitunter politische Unsicherheiten, interne Diskussionen, wirtschaftliche Perspektiven und die regulatorische Komplexität.

Gerade weil die Umsetzung von Reduktionszielen intern hinterfragt wird, ist es wichtig, das mittlere Management und die Geschäftsleitung zu motivieren, um eine nachhaltige Ausrichtung sicherzustellen. Diese zunehmenden Herausforderungen in der Umsetzung von Netto-Null-Zielen werden entsprechend im Rahmen unserer kommenden Eventformate adressiert.

Die anhaltenden Unsicherheiten rund um Transparenzvorschriften beschäftigt: Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass die Schweiz eine ambitioniertere Regulierung als die EU umsetzen, sondern sich stark an den international anerkannten Standards orientieren wird. Trotzdem lohnt es sich, bereits eingeleitete Reporting-Massnahmen fortzuführen und umzusetzen, um auf künftige Regulierungsbestimmungen vorbereitet zu sein.

Fast alle Mitglieder halten an ihren Klimazielen fest – mit teilweisen Anpassungen im Zeithorizont

76% der Unternehmen behalten ihre mittel- und langfristigen Klimaziele bei, 10% erhöhen sie sogar. Nur 4% senken ihre Ambitionen. Gleichzeitig wird jedoch eingeräumt, dass kurzfristige Zielpfade nicht immer eingehalten werden können.

Dieses Ergebnis ist ein klares Bekenntnis zu den Netto-Null-Zielen der swisscleantech-Mitglieder. Dass unternehmerischer Klimaschutz zur Energiesicherheit und wirtschaftlichen Resilienz beiträgt, bestärkt dieses Bekenntnis – dem wir in der politischen Diskussion entsprechend Rechnung tragen werden: Politik und Verwaltung müssen erkennen, dass ein wesentlicher Teil der Wirtschaft trotz kurzfristiger Herausforderungen an seinen Netto-Null-Zielen festhält. swisscleantech wird darüber hinaus zunehmend Verwaltungsräte in das CEO4Climate-Netzwerk einbinden, um Klimaschutz  strategisch in Schweizer Unternehmen zu verankern.

Mangelnde Nachfrage und Kostenwahrheit als grösste Herausforderungen

Die grössten Herausforderungen sind mangelnde Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten, fehlende Kostenwahrheit, unzureichende Budgets und komplexe internationale Regulierungen.

In unserer Arbeit konzentrieren wir uns bereits intensiv auf marktorientierte Themen wie CO2-Preise und nachhaltige öffentliche Beschaffung, um den Business Case für Nachhaltigkeit absatzseitig zu verbessern.

Weiter engagieren wir uns aktuell intensiv dafür, Rückschritte in den politischen Anreizen für Klimaschutzmassnahmen zu vermeiden. Das ist in der aktuellen politischen Stimmung umso wichtiger, weil andere Themen mehr Aufmerksamkeit erhalten und der Bundesrat umfassende Sparmassnahmen plant. Beim Entlastungspaket 2027 setzen wir uns deshalb unter anderem dafür ein, das Gebäudeprogramm fortzuführen.

Scope-3-Emissionen sind die grösste Herausforderung

Die Reduktion der Scope-3-Emissionen gilt als grösste Herausforderung, da sie komplexe Aspekte wie eingekaufte Güter und Dienstleistungen, nachgelagerte Emissionen in der Lieferkette sowie finanzierte Emissionen umfasst – und es dabei oft an Daten und Messbarkeit fehlt. Wir unterstützen deshalb unsere Mitglieder durch Wissensaustausch und Vernetzung dabei, ihre Emissionen auch bei Scope 3 zu reduzieren.

Kreislauffähige Geschäftsmodelle sind dazu ein wichtiger Schlüssel. In Zusammenarbeit mit allyCE bieten wir deshalb neu ein lösungs- und praxisorientiertes Coaching an. Dieses kostenlose Angebot richtet sich an ausgewählte swisscleantech-Mitglieder und vermittelt Innovationsimpulse sowie bewährte Praktiken zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft.

An der Umfrage haben 50 Nachhaltigkeitsverantwortliche von swisscleantech-Mitgliedern teilgenommen. Die Ergebnisse spiegeln die branchenübergreifende Perspektive unserer grösseren Mitglieder wider: Die Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen beschäftigt über 500 Mitarbeitende, insbesondere aus den Branchen Industrie, Verkehr, Finanzwesen und Energie.

Kreislaufwirtschaft in Aktion – Member Event bei der Thommen Group

Schlüsselrolle in der Kreislaufwirtschaft

Die Thommen Group versteht sich nicht nur als Recycler, sondern auch als Rohstoffproduzent und Enabler einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Sabine Krattiger, COO der Immark, präsentierte wie die drei Unternehmen der Gruppe – Immark, Metallum und Thommen – für jeden Anspruch die passende Recycling-Lösung bieten.  Die verschiedensten Gebrauchsgegenstände können so am Ende ihrer Lebenszeit wieder zu wertvollen Materialien verwertet werden. Damit können Unternehmen nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch ihre Versorgungssicherheit in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten stärken. Indem die Thommen Group weggeworfene Produkte aufbereitet und die Sekundärrohstoffe in den Markt zurückführt, schliesst das Unternehmen Recyclingkreisläufe innerhalb der Schweiz. Damit deckt das Unternehmen wichtige Teile der Kreislaufwirtschaft neben anderen R-Strategien wie Reduce oder Reuse ab – und unterstützt Partner aus Industrie und Handel dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Wirtschaftliche und ökologische Chancen

Wie gross der Vorteil zirkulärer Systeme sein kann, zeigte swisscleantech-Co-Geschäftsführer Christian Zeyer am Beispiel von Baustahl. Stahl aus Roherz benötigt rund 24 Gigajoules Energie und verursacht 2.3 Tonnen CO2 pro Tonne. Elektrostahl aus Abbruchmaterial kommt hingegen mit 10 Gigajoules und 0.1 – 0.7 Tonnen CO2 aus – bei tendentiell kleinerem Arbeitsaufwand. Ein enormes Potential zur Emissionsminderung und Ressourcenschonung, doch das aktuelle Angebot an Sekundärstahl vermag die Nachfrage nicht zu decken: So stammt erst rund ein Drittel des weltweit produzierten Stahls aus Sekundärmaterial.

Ein weiterer grosser Hebel der Kreislaufwirtschaft liegt in Branchenlösungen wie Zeyer am Beispiel RecyPac zeigte: Eine Branchenorganisation von Lebensmittelherstellern, Detailhändlern, Kunststoffproduzenten und weiteren Akteuren baut erstmals ein flächendeckendes Recyclingsystem für Plastikverpackungen und Getränkekartons in der Schweiz auf.

Pouyan Dardashti, CEO der Thommen Group und swisscleantech-Vorstandsmitglied betonte die Rolle der Zusammenarbeit und lud zum Dialog: Suchen Unternehmen Lösungen, um Kreisläufe zu schliessen, sei die Thommen Group stets offen, die Kreislaufwirtschaft gemeinsam voranzubringen.

Ein runder Abend nah an der Praxis

Der Member Event bot nicht nur spannende Inputs, sondern auch Einblicke in die Praxis moderner Kreislaufwirtschaft: Bei der Führung durch die Werke von Thommen und Immark konnten die Teilnehmenden die Abläufe der wohl modernsten Recyclinganlage Europas aus nächster Nähe erleben – von der Sortierung bis zu den extrahierten Sekundärrohstoffen.

Die Thommen Group zeigte eindrücklich, wie viel Innovationskraft und Wille in der klimatauglichen Wirtschaft steckt. Mit seinem praxisorientierten Ansatz und dem Mut, neue Wege zu gehen, machte der Event deutlich: Die Kreislaufwirtschaft ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Chance.

Stromabkommen mit der EU – unabdingbar für die Versorgungssicherheit der Schweiz

Mit dem Abschluss der Vernehmlassung zur Stabilisierung der bilateralen Beziehungen sowie der drei Genehmigungsbeschlüsse zur Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen – darunter das für swisscleantech zentrale Stromabkommen – endet auch eine umfassende interne Konsultation. Zu den grundsätzlichen Fragen der Positionierung wie auch zur detaillierten Stellungnahme wurden umfassende Umfragen und Gespräche geführt. Das Resultat war eindeutig und ergab eine klare Zustimmung zum Stabilisierungspaket und zum Stromabkommen.

Weiterführung des erfolgreichen bilateralen Wegs

Das Inkrafttreten der drei Weiterentwicklungs-Verträge ist über eine Klausel im jeweiligen Vertrag mit dem Inkrafttreten der völkerrechtlichen Verträge zur Stabilisierung der bilateralen Beziehungen verknüpft. Soll ein Stromabkommen zustande kommen, ist deshalb auch zwingend eine Annahme des gesamten Genehmigungsbeschluss zur Stabilisierung der bilateralen Beziehungen notwendig. Damit das für swisscleantech zentrale Stromabkommen in Kraft treten kann, unterstützen wir auch das Stabilisierungspaket.

Für eine Unterstützung sprechen aber auch volkswirtschaftliche Überlegungen, da die EU mit Abstand der wichtigste Handelspartner der Schweiz ist. Auch für die Energiewende und den Klimaschutz ist die Stabilisierung des bilateralen Wegs zentral – nicht nur mit Blick auf das Stromabkommen. Die enge Kooperation mit der EU ermöglicht beispielsweise den Zugang zu Forschungspartnerschaften in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Auch für die Erreichung des Schweizer Netto-Null-Ziels ist eine enge Zusammenarbeit mit der EU entscheidend, wie die Einbindung in den europäischen Emissionshandel unterstreicht.

Ein Stromabkommen ist unverzichtbar für die Versorgungssicherheit

Das Stromabkommen zwischen der Schweiz und der EU ist ein zentrales Element für eine sichere, effiziente und klimafreundliche Energieversorgung. Die Schweiz ist über 41 grenzüberschreitende Stromleitungen physisch mit dem europäischen Stromsystem verbunden, jedoch nicht Teil des EU-Strombinnenmarkts. Das führt zu Hindernissen beim grenzüberschreitenden Stromhandel und beeinträchtigt die Netzstabilität. Vor dem Hintergrund zunehmender erneuerbarer Kapazitäten und damit grenzüberschreitender Stromflüsse ist eine koordinierte europäische Zusammenarbeit essenziell.

Auch darum trägt das Abkommen entscheidend dazu bei, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und die erneuerbaren Energien besser in das Gesamtsystem zu integrieren. Anders als teilweise dargestellt, unterstützt das Stromabkommen auch den Ausbau erneuerbarer Energien. Die EU setzt lediglich ein Globalziel für erneuerbare Energien, ohne den Energiemix der Schweiz vorzugeben. Erneuerbare Energien können weiterhin eigenständig gefördert werden. Zudem werden neue Geschäftsmodelle gestärkt, was die Integration der dezentralen Stromproduktion ermöglichen wird.

Ein gutes Verhandlungsergebnis, mit Verbesserungsbedarf bei der inländischen Umsetzung

swisscleantech stuft das vorliegende Stromabkommen als gutes Verhandlungsergebnis ein. Der Vertrag ermöglicht der Schweiz, diskriminierungsfrei am Europäischen Strommarkt teilzunehmen und gleichzeitig innerstaatliche Eigenheiten abzusichern. Speziell positiv zu erwähnen ist die Sicherung der Hoheit der Kantone betreffend Konzessionsvergaben für die Wasserkraft und dem Wasserzins sowie auch die ausgehandelten Regeln über staatliche Beihilfen im Strombereich. Ebenfalls begrüsst swisscleantech explizit die Bestimmungen zur freie Lieferantenwahl für alle Endverbraucherinnen und Endverbraucher. Mit der vollständigen Marktöffnung wird eine langjährige Forderung von swisscleantech erfüllt.

swisscleantech unterstützt grundsätzlich die inländische Umsetzung des Stromabkommens, fordert aber gleichzeitig klare Verbesserungen bei der Erarbeitung der Botschaft zuhanden des Parlaments. Grosse Bedenken haben wir bei der Ausgestaltung der Grundversorgung. In der vorgeschlagenen Form führt sie zu Überregulierung, Fehlanreizen und unnötigen volkswirtschaftlichen Kosten. Auch bei den Förderbedingungen für kleine Solaranlagen fordern wir Anpassungen, damit der effiziente Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz nicht gefährdet wird.

Netto-Null mit schwervermeidbaren Restemissionen erreichen – Whitepaper

Mit dem 2023 deutlich angenommenen Klimaschutzgesetz wurde das Schweizer Netto-Null bis 2050 gesetzlich verankert. Doch auch im Jahr 2050 wird die Schweizer Wirtschaft Restemissionen aufweisen – vor allem durch Zementindustrie, Kehrichtverbrennungsanlagen, Chemieindustrie und Landwirtschaft. Was nach allen ergriffenen Massnahmen verbleibt, muss ausgeglichen werden.  Noch sind nicht alle gesetzlichen Rahmenbedingungen geklärt: So geben die aktuellen Rahmenbedingungen zwar die Natur der künftigen Ausgleichsmassnahmen vor – Bescheinigungen werden eine entscheidende Rolle spielen. Es ist jedoch gesetzlich noch nicht definiert, wie genau diese Bescheinigungen zur Erreichung des Schweizer Netto-Null-Ziels beitragen.

swisscleantech empfiehlt, diese Gesetzeslücke zügig zu schliessen, um für Unternehmen Planungssicherheit zu schaffen.

Im Vordergrund stehen diese Aspekte:

  1. CO2-Entfernung ist zentral zur Erreichung von Netto-Null
  2. Emissionsbilanzen der Länder: Unternehmen unterliegen den nationalen Treibhausgasinventaren und Klimagesetzgebungen
  3. Emissionsbilanzen im Unternehmen: Pflicht für Scope-1- und -2-Emissionen
  4. Freiwillige Zertifikate und Bescheinigungen erfüllen unterschiedliche Anforderungen im Unternehmen
  5. Freiwillige Zertifikate und Bescheinigungen erfüllen unterschiedliche Anforderungen im Unternehmen
  6. Der Markt für Bescheinigungen: Die meisten Unternehmen werden keine Bescheinigungen für CO2-Entfernung benötigen

Wir suchen: Leitung Inhalte & Co-Geschäftsführung (80-100%)

swisscleantech vereinigt rund 700 führende Unternehmen und Verbände aus allen Branchen: Vom innovativen Startup bis hin zum internationalen Grossunternehmen. Als branchenübergreifender Verband setzen wir uns dafür ein, dass sich klimataugliches Wirtschaften lohnt. swisscleantech ist seit mehr als 15 Jahren eine prägende Stimme in der Schweizer Energie- und Klimapolitik. Wir bringen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, vermitteln Know-how und vernetzen unsere Mitglieder.

Zur Verstärkung unseres Team und im Rahmen einer Nachfolgeregelung suchen wir eine

Leitung Inhalte & Co-Geschäftsführung (80-100%)

In dieser Funktion bist du mit einem kleinen Team für die Leitung des Bereichs Inhalte von swisscleantech zuständig. swisscleantech ist in den Themenfeldern Energie, Klima, Mobilität und Kreislaufwirtschaft engagiert.

Nach einer Übergangsphase übernimmst du als Co-Geschäftsführer*in gemeinsam mit dem bestehenden Co-Geschäftsführer die Verantwortung für die operative Führung der Geschäftsstelle und prägst die Verbandsstrategie mit.

Was dich bei uns erwartet

  • ein vielseitiges Tätigkeitsgebiet mit viel Gestaltungsspielraum und Verantwortung
  • eine sinnstiftende Mission und eine hohe Impact-Orientierung
  • ein moderner Arbeitsplatz mitten in der Stadt Zürich
  • eine Non-Profit-Organisation mit Startup-Spirit und flachen Hierarchien
  • eine engagierte und stark wachsende Community (Mitglieder und Partner*innen)

Was du bei uns bewegst

  • Du positionierst swisscleantech als eine führende Stimme der Energie- und Klimapolitik der Schweiz
  • Du prägst die Positionen von swisscleantech mit und erarbeitest in enger Zusammenarbeit mit Präsidium, Vorstand sowie unseren Mitgliedern Positionspapiere, Studien oder Vernehmlassungsantworten
  • Du identifizierst neue Themen, ordnest politische und technologische Entwicklungen in den Kernthemen von swisscleantech ein und zeigst Handlungsbedarf auf
  • Du unterstützt unsere Mitglieder bei der Umsetzung ihrer eigenen Klimaziele als Sparring-Partner und entwickelst dazu mit deinem Team neue Businessmodelle und Tools
  • Du akquirierst und betreust Partner und Mitglieder, die uns helfen, unsere Ziele zu erreichen und den Verband langfristig stabil zu finanzieren
  • Du prägst die Weiterentwicklung unseres CEO-Netzwerks (CEO4Climate) mit und stärkst dessen Wirkung in Wirtschaft und Politik
  • Du vertritts swisscleantech in Expertengremien, trittst als Speaker bei internen und externen Anlässe auf und bist ein gefragter Gesprächspartner für die Medien

Was du mitbringst

  • Erfahrung in der Führung einer Organisation von vergleichbarer Grösse (Budget- und Personalverantwortung)
  • Naturwissenschaftliche Ausbildung auf Stufe Hochschule oder gleichwertige Ausbildung
  • Langjährige Erfahrung an der Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik
  • Nachgewiesener Leistungsausweis in den Kernthemen von swisscleantech: Energie, Klima, Mobilität, Kreislaufwirtschaft
  • Verständnis volkswirtschaftlicher Zusammenhänge
  • Hohe analytische Fähigkeiten, die es dir erlauben, dich schnell in neue Themenbereiche einzuarbeiten
  • Umfassendes persönliches Netzwerk in Hochschulen, der Verbandslandschaft, der Wirtschaft und der Stiftungswelt
  • Verständnis des politischen Systems und der politischen Prozesse in der Schweiz
  • Kommunikative Persönlichkeit, die es versteht, ihre Botschaften zielgruppenkonform zu vermitteln und als Redner*in überzeugend auftritt
  • Gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit & stilsichere Kommunikation auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Du willst die klimataugliche Wirtschaft voranbringen und einen Unterschied machen? Dann melde dich bei uns!

Sende uns deine Bewerbung an bewerbung@swisscleantech.ch. Bei Fragen steht dir Michael Mandl (Co-Geschäftsführer) und Christian Zeyer (Co-Geschäftsführer) unter 058 580 08 09 zur Verfügung. Für diese Stelle berücksichtigen wir ausschliesslich Direktbewerbungen.

Neue Abfall- und Verpackungsverordnungen: Ein wichtiger Schritt für die Kreislaufwirtschaft

Weniger Abfall, mehr Kreislauf

Die geplanten Anpassungen der Abfall- und Verpackungsverordnung werden wesentlich zur Kreislaufwirtschaft in der Schweiz beitragen. Die Verpackungsmenge pro Produkt wird mit der Verordnung sinken, während verbindliche Regeln für Sammlung und Recycling von Einwegkunststoffen und Getränkekartons endlich die Basis für funktionierende Stoffkreisläufe schaffen.

Auch das gestärkte Finanzierungssystem der Glasentsorgung ist ein Fortschritt: Es beseitigt das bisherige Trittbrettfahrerproblem und sorgt für eine gerechtere Kostenverteilung. Zudem schafft die Möglichkeit, Mehrwegverpackungen aus Glas von der Pfandpflicht auszunehmen, bessere Bedingungen für mehr Mehrweg. Schliesslich bringen neue Mitteilungspflichten wertvolle Transparenz in die Stoffströme.

Weiterhin zu wenig griffige Massnahmen zur Abfallvermeidung

Klar ist aber auch: Die Umsetzung darf nicht an Tempo und Ehrgeiz verlieren. Auch wenn die neue Abfallhierarchie mit ihrer Priorisierung der stofflichen Verwertung und die Stärkung der biogenen Abfallnutzung sinnvoll ist, muss die Abfallvermeidung stärker in den Fokus rücken – etwa mit verbindlichen Mehrwegzielen für Getränkeverpackungen und wirksamen, regulatorischen Korrekturmechanismen, falls diese Ziele verfehlt werden.

Die Umsetzung muss schlank ausfallen, um effizient zu wirken

Damit Unternehmen Kreisläufe schliessen können, braucht es klare Ziele, aber flexible Wege. Die Unternehmen wissen am besten, wie Sammel- und Rücknahmesysteme effizient organisiert werden können – die Vorgaben sollten daher schlank bleiben. Und wo Branche und Politik bereit sind, braucht es den Mut zur schnellen Umsetzung.

Die Schweiz hat mit der Revision des Umweltschutzgesetzes ein solides Fundament gelegt. Das Verordnungspaket ist ein wichtiger Schritt – aber weitere müssen folgen, damit aus guten Ansätzen gelebte Kreislaufwirtschaft wird.

Freie Fahrt für den Netz-Express

Mit der Vorlage zur «Beschleunigung des Aus- und Umbaus der Stromnetze» hat das Parlament in kurzer Zeit bereits die zweite Beschleunigungs-Vorlage verabschiedet – nachdem im April 2026 der Beschleunigungserlass für erneuerbare Energien in Kraft trat. Ursprünglich hatte der Bundesrat beim «Netz-Express» vor allem das Übertragungsnetz im Fokus. Im parlamentarischen Prozess kamen verschiedene Erleichterungen für das Verteilnetz hinzu. So wird neben dem Übertragungsnetz auch grösseren Anlagen des Verteilnetzes ein nationales Interesse zugesprochen. Dies gibt ihnen bei der Interessenabwägung zusätzliches Gewicht.

Erleichtert wird zudem der Bau von Transformatorenstationen und Speichern ausserhalb der Bauzonen. Diese Anpassungen sind sinnvoll, weil der Ausbau von Photovoltaik sowie die Elektrifizierung von Wärme und Verkehr vor allem die unteren Netzebenen betreffen.

Freileitungen als Grundsatz

Ein besonders heisses Eisen war der «Freileitungsgrundsatz», der vorsieht, neue Leitungen grundsätzlich als Freileitungen zu realisieren. Erdkabel sollen nur in begründeten Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Dafür sprechen insbesondere technische und wirtschaftliche Überlegungen. Gleichzeitig bleibt die Interessenabwägung mit anderen Anliegen bestehen.

Erleichtert wird zudem der Ersatz bestehender Höchst- und Hochspannungsleitungen. Sie können auf ihrem bisherigen Trassee einfacher erneuert oder saniert werden. Das ist relevant, da ein grosser Teil der heutigen Höchstspannungsleitungen zwischen 50 und 80 Jahre alt ist.

Keine Aufweichung des Moorschutzes

Dass diese Vorlage vergleichsweise schnell beraten werden konnte, hat auch damit zu tun, dass das Parlament – anders als beim Beschleunigungserlass für die erneuerbaren Energien – auf einen grundlegenden Machtkampf zur Einschränkung des Umweltrechtes verzichtete. Neben gewissen Einschränkungen des Verbandsbeschwerderechtes hatte der Ständerat im Verlauf der Debatte zusätzlich eine Aufweichung des Moorschutzes vorgeschlagen, um erleichtert Stromnetze zu erneuern oder neu zu bauen. Dieser Vorschlag hatte in der weiteren Beratung aber keine Chance, weil der Mehrwert dieses Eingriffs für die Beschleunigung im Vergleich zum möglichen Schaden unverhältnismässig klein gewesen wäre. swisscleantech hatte sich – auch mit Blick auf die politische Mehrheitsfähigkeit der Vorlage – klar dagegen positioniert.

Gezielter und rascher Ausbau (intelligenter) Netze

Ein gezielter und vor allem rascherer Ausbau der Netze ist notwendig. Doch der Bau jeglicher neuen Infrastruktur in der Schweiz ist teuer und braucht auch bei vereinfachten Bewilligungsverfahren Zeit. Deshalb gilt es gleichzeitig, die bestehenden Netze effizienter zu nutzen. Insbesondere dezentrale Flexibilitäten wie Batteriespeicher, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge können dazu beitragen, Netzausbauten zu verhindern, oder zu verzögern. Auch bei der Digitalisierung der Verteilnetze besteht in der Schweiz weiterhin viel Luft nach oben.

Der Netzausbau bleibt ein wichtiger Teil der Energiewende – gleichzeitig sollten Möglichkeiten zur besseren Nutzung der bestehenden Infrastruktur konsequent ausgeschöpft werden.

Mehr Tempo für die Energiewende

Der Bau von Windkraftwerken, Wasserkraftwerken oder Solaranlagen dauert hierzulande oft 15 bis 20 Jahre – europaweit ein bedenklicher Spitzenwert. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Es ist jedoch unbestritten, dass schnellere Rechtsverfahren für die Bewilligung und Umsetzung dieser Projekte zu den wichtigsten Hebeln gehören, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzubringen. Während der Ausbau von Solaranlagen auf bestehenden Infrastrukturen – wie etwa auf Hausdächern – deutlich zulegte und damit auf Kurs ist, haben grosse Projekte – unabhängig von ihrem Standort und der Produktionsform – weiterhin einen schweren Stand. Genau hier setzt der Beschleunigungserlass an.

Deutliche Beschleunigung beim Ausbau erneuerbarer Energien

Die öffentliche Debatte drehte sich zuletzt stark um die Einschränkung des Verbandsbeschwerderechts. In den Hintergrund trat damit zu Unrecht, dass dieser Erlass in erster Linie die Planungs-, Bewilligungs- und Rechtsmittelverfahren für den Bau von erneuerbaren Anlagen von nationalem Interesse vereinfacht. Das Parlament verbesserte die Vorlage des Bundesrats an verschiedene Stellen – der Beschleunigungserlass wird damit das Ausbautempo der erneuerbaren Energien entscheidend erhöhen. Bei konsequenter Umsetzung dieser Vorlage werden grössere Projekte für die erneuerbare Stromproduktion um mehrere Jahre beschleunigt. Die Gründe:

Konzentriertes Plangenehmigungsverfahren

Mehrere Etappen des Planungsprozesses werden zusammengeführt. Damit entfällt die Möglichkeit, jede einzelne Etappe separat bis vor Bundesgericht anzufechten.

Straffere Behandlungsfristen

Für Behörden und Gerichte gelten künftig verbindliche Fristen, um den Rechtsmittelweg zu straffen.

Eingeschränkte Beschwerden

Neu können nur noch gesamtschweizerisch tätige Umweltschutzorganisationen bei Projekten von nationalem Interesse Beschwerde erheben. Zusätzlich können Verbandsbeschwerden für die 16 Wasserkraftprojekte aus dem Stromgesetz nicht mehr bis zum Bundesgericht weitergezogen und sollen abschliessend auf kantonaler Ebene behandelt werden.

Festlegung geeigneter Gebiete

Für grosse Solaranlagen sollen Zonen definiert werden – analog zu den bestehenden Regelungen für Wind- und Wasserkraftwerke.

Beschleunigter Netzausbau

Verfahrensanpassungen beim Übertragungsnetz sorgen dafür, dass erneuerbarer Strom schneller zu den Verbrauchszentren gelangt.

Langwierige Debatte im Parlament zum Verbandsbeschwerderecht

Dass eine Beschleunigungsvorlage zwei Jahre Beratungszeit im Parlament benötigt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die lange Beratungsdauer war weniger den Kernelementen dieser Vorlage geschuldet als vielmehr einem Machtpoker zwischen den beiden Räten um die Einschränkung des Verbandsbeschwerderechts. Besonders im Ständerat schien das Festhalten an der kompletten Abschaffung des Beschwerderechtes für die 16 Wasserkraftprojekte des Stromgesetzes wichtiger zu sein als die Prozessbeschleunigung aller anderen Grossprojekte. So wurde ein breit abgestützter Kompromissvorschlag aus dem Nationalrat – getragen von Kantonen, Strombranche, Umweltverbänden, Bundesrat und auch swisscleantech – in der Herbstsession abgelehnt. Die vom Ständerat schliesslich durchgedrückte Einschränkung des Verbandsbeschwerderechts führt in erster Linie zu viel Ungewissheit, weil für solch gewichtige Projekte im Normalfall die nationalen Gerichte entscheidend sind. Das führt wiederum dazu, dass die effektive Wirkung im Sinne der Beschleunigung schwierig absehbar ist.

Ein mehrheitsfähiges Ergebnis mit grosser Wirkung

Für swisscleantech zählt unter dem Strich eine wirksame und mehrheitsfähige Vorlage, die auch einer allfälligen Referendumsabstimmung standhält. Mit dem heutigen Beschluss liegt ein Beschleunigungserlass vor, der das Ziel erfüllt: Mehr Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien und damit ein wichtiger Schritt zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende. Entscheidend wird nun, dass die Massnahmen in der Praxis konsequent umgesetzt werden.

Studie zeigt: jeder Förderfranken wirkt mehrfach

Gemeinsame Medienmitteilung von aeesuisse, Bauenschweiz, EIT.swiss, Gebäudehüllen Schweiz, Konferenz Kantonaler Energiefachstellen, swisscleantech, der Thurgauer Kantonalbank und dem WWF Schweiz

  • Die neue Studie von EBP untersucht die volkswirtschaftlichen Effekte des Gebäudeprogramms.
  • Das Ergebnis: Das Gebäudeprogramm steigert die Bruttowertschöpfung, die Steuereinnahmen, die Beschäftigung und senkt die Umweltkosten.
  • Pro eingesetztem Förderfranken beträgt die Summe der positiven wirtschaftlichen Effekte theoretisch 7.40 CHF.
  • Selbst bei einem hohen Mitnahmeeffekt von beispielsweise 50 Prozent ergäben sich pro Förderfranken eine Bruttowertschöpfung von 0.80 CHF, Steuereinnahmen von 0.10 CHF und eingesparte Umweltkosten von 2.80 CHF.
  • Damit ergänzt die Studie die Grundlagen für eine umfassende Kosten-Nutzen-Abwägung des Gebäudeprogramms.

«Die Studie zeigt, dass jeder investierte Förderfranken nicht nur die Energiewende vorantreibt, sondern auch einen klaren volkswirtschaftlichen Mehrwert schafft. Selbst unter Annahmen unrealistisch hoher Mitnahmeeffekte bleibt dieser bestehen. »

Stefan Batzli, Geschäftsführer aeesuisse

«Die Ergebnisse bestätigen, was wir in der Praxis seit Jahren beobachten. Das Gebäudeprogramm ist ein starker Hebel für die lokale Wertschöpfung und Beschäftigung.»

 Cristina Schaffner, Direktorin Bauenschweiz

«Das Gebäudeprogramm ist weit mehr als nur ein erfolgreiches Instrument der Schweizer Klimapolitik. Es zeigt eindrucksvoll, dass sich Klimaschadenskosten durch kluge Investitionen erheblich reduzieren lassen.» 

Patrick Hofstetter, Klimaschutz- und Energieexperte WWF Schweiz

Volkswirtschaftlicher Blick auf das Gebäudeprogramm

Seit 2010 unterstützt das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen energetische Sanierungen mit dem Ziel, den Treibhausgasausstoss im Gebäudebereich zu senken und die Energieeffizienz zu steigern. Die Studie untersucht das Förderinstrument hinsichtlich seiner volkswirtschaftlichen Auswirkungen.

Substanzielle volkswirtschaftliche Effekte

Die Ergebnisse zeigen: Das Gebäudeprogramm stärkt die Wertschöpfung, schafft Arbeitsplätze, reduziert Umweltkosten, generiert Steuereinnahmen und dämpft die Zunahme des Winterstromverbrauchs.

Alles in Allem wurde durch die geförderten Massnahmen zur Gebäudehüllensanierung und zum Heizungsersatz eine zusätzliche jährliche Bruttowertschöpfung von 535 Mio. CHF erzielt, wovon 250 Mio. CHF auf die Baubranche entfallen. Gleichzeitig wurden über 3’700 Vollzeitstellen (VZÄ) geschaffen, die Mehrheit davon ebenfalls in der Baubranche. Die vermiedenen Umweltkosten durch reduzierte Treibhausgas- und Feinstaubemissionen belaufen sich auf rund 1,8 Mrd. CHF. Dabei fallen mit 1,2 Mrd. CHF vor allem die durch den Heizungsersatz eingesparten Treibhausgasemissionen ins Gewicht.

Hinzu kommt, dass das Gebäudeprogramm rund 64 Mio. CHF an zusätzlichen Steuereinnahmen generiert. Mit zusätzlichen 33 Mio. CHF ist in diesem Zusammenhang die Einkommenssteuer besonders relevant.

Der Ersatz von Öl- und Gasheizungen führt zu zusätzlichem Stromverbrauch im Winter. Diese Studie zeigt, dass dank der Förderung im Bereich Gebäudehülle dieser Anstieg halbiert werden kann.

Wird diese Wirkung den Ausgaben im selben Zeitraum gegenübergestellt, so ergibt sich das folgende Bild: Pro investiertem Förderfranken entstehen 1.70 CHF Bruttowertschöpfung, 0.20 CHF Steuereinnahmen und 5.60 CHF eingesparte Umweltkosten. Eine detaillierte Ansicht zum Einfluss verschiedener Mitnahmeeffekte zeigt Abbildung 1.

(Abbildung 1) Wirkung pro Förderfranken in Franken (x-Achse), für die untersuchten Dimensionen separat ausgewiesen (y-Achse), abzüglich verschiedener Mitnahmeeffekte (0 Prozent, 25 Prozent, 50 Prozent und 75 Prozent).

Kürzungen beim Gebäudeprogramm bremsen die Wirtschaft

Im Rahmen des sogenannten Entlastungspakets 2027 plant der Bundesrat, die Bundesgelder für das Gebäudeprogramm (389 Mio. pro Jahr) zu streichen. Vor diesem Hintergrund liefert die Studie eine wichtige Grundlage für eine vollständige Kosten-Nutzen-Abwägung des Gebäudeprogramms.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die geplanten Kürzungen die Volkswirtschaft bremsen, Arbeitsplätze vernichten, zu hohen Umweltkosten führen und Steuerausfälle nach sich ziehen würden.

Über die Studie

Die Studie wurde von EBP im Auftrag von EIT.swiss, Gebäudehüllen Schweiz, Konferenz kantonaler Energiefachstellen, Raiffeisen Schweiz, Thurgauer Kantonalbank und des WWF Schweiz durchgeführt.

Vollständige Studie: «Nutzen eines Förderfrankens – volkswirtschaftliche Effekte des Gebäudeprogramms»

Klarer Auftrag an den Bundesrat: Nachhaltige Baustoffe stärken!

Sechs Jahre nachdem das Parlament die Nachhaltigkeit als zentralen Richtwert in der öffentlichen Beschaffung gesetzlich verankert hat, wurde diese Woche im Nationalrat erneut ein klares Zeichen zugunsten einer nachhaltigere Beschaffung gesetzt. Mit der deutlichen Annahme der Motion der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) werden nachhaltige Baustoffe gestärkt. Der Bundesrat erhält mit der Annahme in beiden Räten den klaren Auftrag, Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung mehr Gewicht zu geben und seine Vorbildrolle ernst zu nehmen – eine Rolle, zu der ihn das Klimaschutzgesetz verpflichtet. Nur mit einem raschen Vollzug dieses Gesetzes werden der Bund und die Kantone ihr Netto-Null-Ziel bis 2040 erreichen.

Rasche Umsetzung der gesetzlichen Grundlagen gefordert

Bei der Umsetzung dieser Nachhaltigkeitskriterien geht es nicht darum, einzelne Baustoffe zu bevorteilen, sondern bei Stahl, Zement, Asphalt, Aluminium, Dämmstoffen oder anderen Baustoffen die nachhaltige Produktion zu stärken. Weil die gesetzlichen Grundlagen sowohl im Beschaffungsrecht, im Umweltschutzgesetz als auch im Klimaschutzgesetz ausreichend klar geregelt sind, soll der Bundesrat auf Verordnungsebene die notwendigen Grundlagen und Anforderungen an die Berücksichtigung dieser Baustoffe schaffen. Dabei soll zwingend auf die bereits laufenden Arbeiten der Baubranche im Bereich der nachhaltigen Beschaffung Rücksicht genommen werden, um Doppelspurigkeit zu vermeiden und eine möglichst wirtschaftsnahe Umsetzung zu sichern. So kann die Bauindustrie in ihren Nachhaltigkeitsbestrebungen unterstützt werden und erhält mehr Planungssicherheit.

Enormes Potenzial der öffentlichen Beschaffung nutzen

Das Volumen der öffentlichen Beschaffung beträgt jährlich rund 40 Milliarden Franken und entspricht ca. 6 Prozent des BIP der Schweiz. Sie hat damit eine sehr grosse Hebelwirkung, welche sich vor allem in der Reduktion der vor- und nachgelagerten Treibhausgasemissionen der öffentlichen Verwaltung entfaltet. Mit den richtigen Anforderungen an Baustoffe in der öffentlichen Beschaffung können die CO2-Emissionen deutlich gesenkt werden. Diese Anforderungen bei den Zulassungs- und Vergabekriterien können sich beispielsweise an den CO2-Emissionen in der Herstellung oder der Kreislauffähigkeit gewisser Produkte orientieren.

Für die Verbreitung dieser nachhaltigen und kreislauffähigen Baustoffe ist es entscheidend, dass erste Absatzmärkte («Leitmärkte») geschaffen werden – besonders in der Schweizer Stahl- oder Zementproduktion. Denn Schweizer Hersteller haben ihre Produktion über die Elektrifizierung oder die Wiederverwendung von Abfallprodukten nachhaltiger ausgestaltet oder planen dies zu tun, was mit grossen Investitionen verbunden ist. Das öffentliche Beschaffungswesen soll entsprechende Impulse setzen, um die Nachfrage nach solchen Produkten zu steigern.

Michael Mandl (Co-Geschäftsführer swisscleantech) sagt zusammenfassend: «Der Entscheid des Parlaments ist ein wichtiger Schritt zugunsten vieler Schweizer Unternehmen, die sich für kreislauffähige und nachhaltige Produktion von Baustoffen einsetzen. Klimataugliches Wirtschaften muss sich lohnen. Umso wichtiger ist der Entscheid des Parlaments und der klare Auftrag an den Bundesrat.»